Archiv für den Monat: Februar 2015

Bridge Hammock mit Moskitonetz – Teil1


Habe begonnen für eine Freundin eine Bridge Hammock zu bauen (Die Fotos zeigen noch das Vorgänger-Modell). Da sie eine Iso-Matte verwenden wird, besteht die Hängematte aus einer doppelten Lage Stoffschichten. Verwendet wird Argon Ripstop Nylon, ca. 53g/m2. Erscheint ein bisschen „heavy-duty“, ist aber dem Farbwunsch und der Stoffverfügbarkeit geschuldet. Eigentlich würde ich für eine Hängematte mit Einschub für Iso-Matten leichteres Ripstop-Nylon mit um die 35g/m2 nehmen. In diesem Fall wird es sich um ein Mehrgewicht von 50-70g drehen…

Unterschied zum Vorgänger ist die etwas kürzere Gesamtlänge, eine großzügigere Stoffbreite am Kopfende und die Verbindung der Kopf- und Fußteile zur Liegefläche und den seitlichen, eingewickelten Gurten. Details, die zunächst nicht sonderlich bedeutend erscheinen. Ich hoffe jedoch, dass dadurch der Liegekomfort und die Qualität der Gesamterscheinung verbessert wird – ich glaube fest daran! :-P

Update 26.02.2015
Vorweg: dummer Weise habe ich kein Gesamtfoto der Hängematte im fertigen Zustand gemacht. Aber sie unterscheidet sich von der oben abgebildeten Matte nur in Details, die auf den Slideshow-Fotos kaum zusehen sind. Während des „Schneiderns“ habe ich nur sehr wenige Fotos machen können, die Arbeit war anstrengender als ich dachte. Ich habe aber in den Nachzustandsfotos versucht einige Details festzuhalten und versuche noch das ein oder andere zu beschreiben.

Den ersten Eigenbau einer Bridge Hammock habe ich nach einer Schritt-für-Schritt Anleitung von GrizzlyAdams/Prof. Hammock (The Making Of A GrizzBridge) genäht. Das Grundprinzip habe ich beibehalten, verändert sind die Breite der Spreizen, der Anschluss der Endstücke und andere kleinere Details. Weitere Inspiration (Seitentaschen und Staufach vom Moskitonetz) habe ich mir von der Ridgerunner von WarbonnetOutdoors und über das Hammockforum geholt.

GrizzlyAdams verwendet Spreizen mit einer Breite um die 80 und 65cm. Ich habe bisher gut in der GrizzBridge geschlafen, mir dann aber überlegt, in wie weit der Komfort durch ein breiteres Kopfstück verbessert werden könnte. Die Entscheidung eine Spreizenbreite am Kopfende vom 100cm und am Fußstück 65cm zu nehmen, war letztendlich durch die Tarpstange bestimmt, die ich für die Spreizen verwende. Sie lässt sich eben in ein 100cm und in ein 65cm Stück zerlegen – Perfekt!

Abb.01 Triangelaufhängung am Fußende

Abb.01 Triangelaufhängung am Fußende

Durch die 1m Breite liegt man höher als in der Matte von GrizzlyAdams was einem eine bessere Rundumsicht, ein noch bequemeres Liegen und einen einfacheren Einstieg beschert. Allerdings ist man durch das breite Kopfende ein bisschen eingeschränkter beim Abspannen eines kleineren Tarps. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Gesamtlänge der Matte zu nimmt, da die Seitenlängen der Triangel (das gleichschenklige Schnurdreieck zwischen Spreizen und Aufhängung) am Kopfende größer wird. Hintergrund: Die Seitenlänge der Triangelaufhängung nimmt gemäß der Verhältnisregel mit der Breite der Spreize zu. Durch Experimente und Berechnungen sind Mitglieder (TeeDee) im Hammockforum davon überzeugt, dass ein Verhältnis der Seitenlänge zu Spreizenbreite mit 1:1 sinnvoll ist. Wird die Seitenlänge der Schenkel verkürzt, desto mehr Kraft wirkt auf die Längsachse der Spreizen ein. Manche verwenden für die Triangel auch 85% der Spreizenlänge und scheinen zufrieden zu sein. Bei meinen 100kg bleibe ich aber lieber bei 1:1 ;-) und für den Komfort nehme ich gerne kleinere Nachteile in Kauf – there ain’t no free lunch. Ach ja, außerdem wird die Matte kippliger, je kürzer die Triangelschnüre werden…

Teil 1: Bau des Grundkörpers

Abb.02 Zuschnittmaße für das Stoffbett und für das Kopf- und Fußteil.

Abb.02 Zuschnittmaße für das Stoffbett und für das Kopf- und Fußteil.

Stoffbett
Zunächst wird der Stoff für den Mattenkörper auf Länge geschnitten. Nach einer Faltung des Stoffs über die Längsachse werden die Markierungen für die (halbe, da gefaltete) Stoffbreite an Kopf- und Fußende angezeichnet und daran die Parabelschablone angelegt. Nach dem Festpinnen der Schablone wird an ihr entlang geschnitten. Aus der Parabeltiefe von 15cm ergibt sich im fertigen Zustand eine akzeptable Gesamtbreite an der schmalsten Stelle von ca. 76 cm. Der Clou der Längsfaltung ist übrigens, dass man mit einem Schnitt beide Kanten des Stoffes auf einmal und völlig symmetrisch schneiden kann. Das Ganze wird noch für die untere, bzw. äußere Stoffschicht wiederholt. Diese wird ca. 2cm breiter als die innere geschnitten um später besser das Volumen einer Iso-Matte aufzunehmen. Die Abschnitte werden nachher noch für die Endkappen und das Staufach benötigt.

Abb.03 Die Parabelform habe ich mit QCad, einem freien CAD-Programm, erzeugt. Die Koordinaten habe ich  auf ein großes Stück Packpapier in 1:1 übertragen, verbunden und ausgeschnitten. Übrigens wird diese Schablone auch für das Moskitonetz benötigt

Abb.03 Die Parabelform habe ich mit QCad, einem freien CAD-Programm, erzeugt. Die Koordinaten habe ich auf ein großes Stück Packpapier in 1:1 übertragen und ausgeschnitten. Übrigens wird diese Schablone wird auch für das Moskitonetz benötigt

Im Anschluß werden alle 4 Kopfkanten gesäumt und die beiden Stoffschichten an den Längskanten miteinnander vernäht, so wird es leichter bei den Gurten. Diese werden auf der späteren Innenseite bündig mit den Außenlängskanten angelegt und mit geradem Stich am Stoff fixiert. Die Gurte müssen etwa 1 cm an den Enden von der gesäumten Stoffkante zurückspringen, denn an dieser Kante wird später die Endkappe angenäht. Nun wird der Stoff zusammen mit den Gurten zweimal so stramm wie möglich nach innen umgelegt und festgepinnt und zweimal mit einem geraden Stich vernäht. Zuerst an der innen liegenden und dann an der außen liegenden Kante.

Endkappen
Als nächstes darf man sich den Endkappen widmen. Hier möchte ich auf jeden Fall auf ein Video von Prof. Hammock verweisen, denn ohne visuelle Unterstützung ist das Ganze wirklich nur sehr schwer zu erklären. Im Wesentlichen geht es darum, mit einem ausgefuchsten Trick ein 3-dimensionales Gebilde aus einem Stofflappen herzustellen. Das Youtube-Video könnt ihr hier finden (wie immer in Englisch).

Abb.04 Untere Kante ist auf die Markierung geklappt und die Nahtlinie ist angezeichnet (alte Aufnahme, daher kein Saum an Stoffkanten).

Abb.04 Untere Kante ist auf die Markierung geklappt und die Nahtlinie ist angezeichnet (alte Aufnahme, daher kein Saum an Stoffkanten).

Die Zuschnittsbreite des Stoffes für eine Endkappe ist gleich der Breite des entsprechenden Endes vom Stoffbett. Die Zuschnittshöhe setzt sich aus der späteren tatsächlichen Höhe plus der Tiefe der eingenähten Endkappe zusammen. Die Kappen benötigen zusätzlich Tiefe, da im aufgehängten Zustand die Zugkraft nur über die äußeren Kanten mit den eingenähten Gurten gelenkt wird. Dadurch ist das Stoffbett der Matte weniger gespannt und springt etwas zurück. Die Endkappen würden nach dem Einnähen ohne zuätzliche Tiefe also nicht senkrecht, sondern schräg nach innen „fallen“ und die Netto-Länge der Matte verkürzen. Die Tiefe habe ich mit 3-4cm aufgeschlagen. Nach dem Zuschnitt, den man aus den Stoffresten des Grundkörpers machen kann, wird eine der langen Kante gesäumt. Diese Kante wird später mit der inneren Stoffschicht vernäht und die ungesäumte Kante wird später mit Schrägband versäubert, sie verläuft nachher parallel zu den Spreizen. An dieser Kante werden nun Markierungen in Spreizenbreite angezeichnet (wir wissen ja, dass der Zuschnitt breiter als die Spreizen ist). Dann werden die Ecken der gesäumten Kante auf die Markierungen gefaltet und festgepinnt. Nun muss man wie im Video zu sehen ist überflüssigen Stoff irgendwie loswerden. Dazu wird entlang eines Markierungsstriches von einer bestimmten Länge eine gerade Naht gezogen (vgl. Abb.04) und der aussen davon liegende Stoff sehr knapp abgeschnitten. Das Ganze wird dann auf links gezogen und nochmals vernäht, so dass die erste Naht in der zweiten eingeschlossen ist. Damit ist die Endkappe eigentlich schon fertig.

Die Endkappen sind in Form gebracht. Nach einigen Probestücken habe ich endlich zufriedenstellende Dimensionen gefunden

Die Endkappen sind in Form gebracht. Nach einigen Probestücken habe ich endlich zufriedenstellende Dimensionen gefunden

Annähen der Endkappen
Dazu werden die gesäumten Kanten von Endkappe und Stoffbettkante vernäht. Beide Säume werden übereinander gelegt (Endkappe auf innerer Stoffschicht) und mit Nadeln festgesteckt. Um eventuelle Ungenauigkeiten in der Länge gleichmäßig zu verteilen, markiere ich auf beiden Stoffen die Mitte und lege die Markierungen deckend übereinander und pinne dann von der Mitte aus den Stoff fest. An den Enden muss die Saumkante der Endkappe unter die Saumkante vom Stoffbett eingeschoben werden, bevor alles mit zwei parallelen Stichen vernäht wird.
Um einen schönen Übergang an den Ecken zu bekommen, verwende ich 40mm Schrägband. Dieses beginnt auf beiden Längskanten der Seiten ca. 5cm vor der Ecke und verläuft über die gesamte Oberkante der Endkappe.

Abb.07 Gurtschlaufen sind angenäht (Foto zeigt einen späteren Zustand)

Abb.07 Gurtschlaufen sind angenäht (Foto zeigt einen späteren Zustand)

Gurtschlaufen für Aufhängung
Vier 40cm lange Gurtstücke werden mit 4 oder 5 Zick-Zack Stichen an die Längskanten genäht. Die Schlaufen sollten ca. 2cm lang sein, damit die Verbinder mit den Diamantknoten für das Triangelsystem angebracht werden können.

Nächster Teil: Triangel und Moskitonetz

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