Hängematten und der ganze andere Rest

Hängematten

Die Hängematte (hammock) hat als Schlaf- und Ruhestätte eine lange Tradition und dient bis heute der mittel- und südamerikanischen Bevölkerung als hängende Ruhestätte.

Gegenwärtig ist die Hängematte vor allem in den USA bei allen möglichen Outdooraktivitäten als vollwertiger Zeltersatz sehr beliebt. Die Hängematten-Community, vertreten durch www.hammockforums.net, hat zur Zeit über 33.000 Mitglieder. Hierzulande werden Hängematten als Alternative zu Zelt und Tarp leider kaum anerkannt. Dabei sind sie, entgegen ihres Rufes, äußerst bequem und leichtgewichtig. Ein typisches Komplettsystem für 3-Jahreszeiten, bestehend aus Hängematte, Isolierung (Top- und Underquilt) inklusive Tarp, wiegt 2 – 2,5 Kilogramm. Es geht aber auch noch sehr viel leichter.

Für wen ist das System Hängematte besonders interessant?
Für alle die:
– unterwegs Wert auf einen erholsamen und bequemen Schlaf legen
– mit leichter Ausrüstung unterwegs sein wollen
– ihre Touren öfter in Gegenden mit Baumbestand planen
– die unmittelbare Nähe zur Natur mögen
– die Umgebung so hinterlassen möchten, wie sie sie vorgefunden haben (Leave No Trace)
– auch mit einem „Solo-Schlafplatz“ zurecht kommen

Damit der Schlaf in einer Hängematte erholsam ist und nicht zur Farce wird, sollten bestimmte Dinge beachtet werden. Das betrifft zum einen die richtige Wahl der Hängematte, eine angemessene Isolierung, der richtige
Wetterschutz und die richtige Auswahl des Hänge-Spots.

Hängemattentypen
Im Folgenden sollen zwei veschiedene Arten von Hängematten beschrieben werden, die sich in ihrer Bauweise und Art der Benutzung unterscheiden. Beide haben ihre Bezeichnung nach ihren Konstruktionsmerkmalen erhalten.

Gathered End Hammock

Gathered End Hammock

Gathered End Hammock
Der geläufigste, „klassische“ Typ. Ein meist rechteckiger Stoff wird an seinen beiden kurzen Seiten zusammengerafft (to gather) und daran aufgehängt. Eine flache und bequeme Liegeposition wird dadurch erreicht, indem man sich diagonal zur Längsachse in die Hängematte legt. Maßgeblich wird der Komfort auch durch das Verhältnis von dem Abstand beider Enden zu einander und dem Durchhang (sag) des Stoffs beeinflusst. Das Verhältnis wird durch einen entsprechenden Aufhängewinkel von ca. 30° oder mit Hilfe der Ridgeline erreicht. Es gibt Modelle mit oder ohne Moskitonetz (bugnet) und mit einfachem oder doppelten Boden. Letzterer kann eine Isomatte aufnehmen. Gathered End Hängematten sind sehr leichtgewichtig und können platzsparend verstaut werden.

Doppelter boden (double layer) als Einschub für Iso-Matten

Doppelter boden (double layer) als Einschub für Iso-Matten

Die in Europa erhältlichen „Outdoor“-Hängematten sind, mit ganz wenigen Ausnahmen (z.B. die ExPed Ergo), in der traditionellen Weise gebaut. Allerdings gibt es kaum Matten bei denen der Schnitt ein diagonales Liegen zu lässt. Der Stoff ist mit meistens 2,50m bis 2,70m schlicht und ergreifend zu kurz. Um in darin flach liegen zu können müssen diese dermaßen stramm zwischen den Aufhängepunkten gespannt werden, dass sie nahezu parallel zum Boden verlaufen. Man liegt dann längs in der knallharten Hängematte und hat praktisch kaum Bewegungsfeiheit. Durch den gespannten Stoff wird dem Schlafsack seitlich der größte Teil seiner Isolationswirkung geraubt (eigene Erfahrung bei -1°C).

Viel zu stramm!

Viel zu stramm!

Für eine gemütliche Liegeposition sollte eine Hängematte 3m und länger sein, das hängt ganz von der eigenen Körperlänge ab. Ich liege mit meinen etwa 1,87m bequem in einer Matte mit 3,30m Stofflänge.

Bridge Hammock
Diese Hängemattenart ist nach einem anderen Grundprinzip gebaut: In ihr liegt man nicht diagonal, sondern auf der Matten-Längsachse. Durch den parabelförmgen Schnitt der Längskanten, in welche Gurte als tragende Teile der Matte eingenäht sind, wird auf Zug der Stoff etwas gespannt, wie die Fahrbahn bei einer Hängebrücke (bridge) und man liegt in der Hängematte flach und komfortabel. Durch ansteckbare Spreizen (Spreader Bars) wird der Stoff auseinandergehalten. Dadurch wird der Druck vor allem an den Schultern minimiert, bzw. völlig aufgehoben. Durch die Spreizen haben Bridge Hammocks ein etwas höheres Gewicht als die Gathered Ends. Spitzfindige Leichgewichtler sind jedoch auf die Idee gekommen, die Spreader Bars durch Trekkingstöcke zu ersetzten. Dadurch sinkt das Gesamtgewicht der Matte unter das einer Gathered End…

Wetterschutz

Vor den Wetterunbilden, die einem unterwegs begegnen können, kann man sich hervorragend mit Tarps schützen. Tarps sind leicht, schnell aufgebaut und in ihrem Einsatz flexibel. Sie bilden keinen starren Wetterschutz, sondern lassen sich durch verschiedene Abspannmodi an die jeweilige Wetterlage anpassen.

Regnet es, lässt sich das Tarp vor dem Rest der Ausrüstung aufbauen, man selbst und die Ausrüstung bleiben trocken. Der Abbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge, das feuchte Tarp lässt sich anschließend separat verstauen.

Es gibt verschiedene Ausführungen, Größen und Materialien, abhängig vom Hängemattentyp, der Jahreszeit und der Bereitschaft sein Geld auszugeben.

Tarpschnitt und -größe
Rechteckig geschnittene Tarps bieten wegen ihrer großzügigen Fläche den besten Schutz. Mit ihnen hat man die größte Auswahl an Aufbauvarianten, sowohl für Hängematten, im Einsatz als Biwacksack oder Tarp-Zelt. Allerdings sind sie dafür auch etwas schwerer als Tarps mit Catenary-Cut (cat-tarp). Bei diesen sind die Kanten bogen-, bzw. parabelförmig eingeschnitten. Dadurch lassen sie sich etwas besser abspannen und sind durch weniger Stoff etwas leichter. Durch die spezielle Form sind sie aber im Einsatz nicht ganz so flexibel wie die rechteckigen.

Übliche Tarpbreiten liegen bei ca. 3 Metern, was sich aus der maximal nutzbaren Breite industriell gewebter Stoffe ergibt. Diese liegt meistens bei 1,50m – 1,60m und so müssen für ein Tarp zwei Stoffbahnen aneinandergefügt werden.

Für die Auswahl des Tarps ist die Länge der Hängematten-Ridgeline maßgebend. Die Enden der Matte sollten um mindestens 15cm beidseitig vom Tarp überdeckt werden. Ausgehend von einer Ridglinelänge von knapp 2,60m kommt man mit einem 3×3 Meter-Tarp in den meisten Fällen völlig aus. Im Zweifelsfall lässt sich das Tarp um 45° drehen, so dass zwei statt vier Ecken am Boden abgespannt werden. Dadurch liegt die Rechteckdiagonale auf der Tarpschnur und die überdeckende Strecke wird entsprechend länger. Nachteil ist hier, dass der seitliche Wetterschutz geringer wird.

2014-08-23_ahrbrueck_013-e1409939781409

Bridge Hammocks benötigen für gleichen Schutz meistens länger Tarps als Gathered Ends, da sie eine längere Ridgline haben. Bisher bin ich aber mit meinem 3×3 Tarp und meiner Bridge Hammock gut über die Runden gekommen. Ist man in der kälteren Jahreszeit unterwegs oder ist unwirtliches Wetter zu erwarten, sind größere Tarps natürlich von Vorteil. Bei diesen lassen sich die vier Ecken nach innen klappen und abspannen. Dadurch erhält man ein fast geschlossenen Raum, ähnlich einem Biwackzelt. Mit Grizz Beaks lassen sich kleinere Tarps zu Schlechtwetter-, oder Wintertarps aufrüsten, siehe hier: Grizz Beaks

Material
Geeignete Tarps sollten aus leichten Nylon-, oder Polyesterstoffen bestehen. Die Beschichtungen bestehen aus PU oder Silkon. Wie bei Zelten, können Tarps aus silikonbeschichtetem Nylongewebe leichtgewichtiger gefertigt werden und sich kleiner verstauen lassen, als Polyesterstoffe. Gegenüber Polyester hat SilNylon eine bessere UV-Beständigkeit. Nylon hat allerdings den Nachteil Feuchtigkeit aufzunehmen. Dadurch dehnt sich der Stoff und verliert an Spannung. Da bleibt nur ein Nachspannen oder die Verwendung dehnbarer Abspannleinen.

Isolierung

Beim Schlafen in Hängematten muss man sich, genau wie beim Übernachten auf dem Boden, mit isolierenden Materialien gegen Kälte schützen. Allerdings kommt zur Kälte auch noch die Luftbewegung hinzu, die zusätzlichen Chill erzeugen. Selbst bei angenehmen Lufttemperaturen merkt man sofort eine unangenehme Kühle im Torsobereich, sobald man in der Hängematte liegt. Ich sehe mich selbst nicht als kältempfindlich an, finde es aber selbst noch bei Temperaturen über 20°C ohne Isolierung ungemütlich.

Arten der Isolierung
Iso-Matten
funktionieren, verrutschen aber vor allem in Gathered End Hammocks relativ schnell, so daß ein häufiges Nachjustieren in der Nacht nötig sein kann. Bei Bridge Hammocks habe ich sehr viel bessere Erfahrungen gemacht und setze bis in den Minusbereich meine ExPED Synmat ein. Modelle mit doppeltem Boden sind von Vorteil, in ihnen verrutscht die Matte gar nicht.
Iso-Matten verfälschen leider das besondere Liegegefühl einer Hängematte, selbstaufblasende besonders stark, da sie sich weniger der Körperform anpassen. Bei diesen lässt sich dieser Effekt durch geringeres Aufpumpen mindern.

Iso-Matten sind auf jeden Fall für den Einstieg und darüber hinaus eine gute und weniger teure Alternative zu Under Quilts.

Under Quilts
sind eine Art Decke, die unter die Hängematte gehängt werden. Es gibt sie mit Daunen und synthetischem Füllmaterial – allerdings nicht in Europa (Ausnahme: uk-hammocks.co.uk). Alternative: Selbermachen!

Die Prinzip ist wirklich genial: man nehme einen Schlafsack und schneide ihn (bildlich) wie ein Brötchen auf. Die untere Hälfte wird unter die Hängematte gehängt, die obere dient als Decke. Diese „Zudecke“ wird konsequenter Weise als Top Quilt bezeichnet. Mit diesem Duo spart man ordentlich Gewicht, da nur da Isolierung verwendet wird, wo gebraucht.

Aufhängung

Um die Hängematte in die Schwebe zu bringen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei allen sollte aber darauf geachtet werden, dass die Borke der Bäume nicht verletzt wird. Das Schließt die Verwedung von Seilen an den Bäumen aus. Bewährt haben sich Gurte, die um den Baum herumgelegt und mit deren Ende die Aufhängungsseile der Hängematte verbunden werden. Ich verwende 25mm breite Gurte aus Polyester (Nylon dehnt sich bei Feuchtigkeit) und habe bisher keinen erkennbaren Schaden an Bäumen verursacht.

Als Verbindung zwischen Gurt und Hängematte verwende ich statt Seil und Karabiner Whoopie Slings. Das sind Seile, oder besser, verstellbare Schlaufen aus einem sehr reissfestem Hohlmantelgeflecht. Dadurch ist es möglich das Seil durch sich selbst zu ziehen. Der äußere Mantel zieht sich bei Belastung zusammen und legt sich so stramm um das durchgeführte Seilteil, dass dieses fest sitzt.

[whohit]haengematten und…[/whohit]

2 Gedanken zu „Hängematten und der ganze andere Rest

  1. Mittagsfrost

    Dendronaut, das ist die umfassendste und beste Abhandlung über Hängematten, die ich in deutscher Sprache gefunden habe. Großes Lob!

    Antworten
    1. dendronaut Artikelautor

      Vielen Dank! Die Seite ist aber leider nicht so umfassend, da das Meiste nur auf meinen Erfahrungen basiert. Schön wäre es, wenn die Seite mit Inhalten andere Leute anwachsen würde (z.B. von Dir :-))

      Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>